Leuphana Universität Lüneburg
Fakultät für Nachhaltigkeit und das Institut für Nachhaltigkeitssteuerung
DATEN & FAKTEN
Projekt
2026-2031
Leitung
Prof. Dr. Jens Newig
EU-Förderlinie
European Research Council (ERC)
Projektleitung: Prof. Dr.-Ing. Arno Kwade
Projektname: „Li-Ion Pilot Lines Network“ (LiPLANET)
Keywords: Energie, Mobilität, Partner
Wie Bürgerbeteiligung nachhaltige Entscheidungsprozesse stärkt: ERC Advanced Grant für Leuphana-Prof. Dr. Jens Newig
Prof. Dr. Jens Newig von der Leuphana Universität Lüneburg erhält einen ERC Advanced Grant des European Research Council (ERC). Gemeinsam mit seinem Team untersucht er in den kommenden fünf Jahren, wie und unter welchen Bedingungen Bürgerbeteiligung nachhaltige, gerechte und demokratisch legitimierte Entscheidungen fördert. Erstmals ermöglicht der Einsatz Künstlicher Intelligenz einen weltweiten Vergleich von Beteiligungsprozessen.
Bürgerräte beraten zur Klimapolitik, Kommunen beziehen ihre Bürgerinnen und Bürger in die Haushaltsplanung ein und selbst in autoritär regierten Staaten gibt es Formen partizipativer Planung. Bürgerbeteiligung soll bessere Entscheidungen für Umwelt, Klima und Gesellschaft ermöglichen und die Demokratie stärken. Trotz der weltweit zunehmenden Bedeutung partizipativer Verfahren kann die Forschung bislang jedoch nur eingeschränkt erklären, wann Beteiligung tatsächlich erfolgreich ist – und wann nicht. Bisherige Erkenntnisse beruhen überwiegend auf einzelnen Fallstudien oder regional begrenzten Untersuchungen und lassen sich deshalb nur bedingt verallgemeinern.
Genau hier setzt das Forschungsprojekt „GAPS – Global Assessment of Participation in Sustainability Governance“ an. Ziel ist es, erstmals systematisch zu untersuchen, welche Formen der Bürgerbeteiligung zu wirksamen, gerechten und demokratisch legitimierten Entscheidungen beitragen.
„Es gibt weltweit Tausende von Einzelfallstudien zu Beteiligungsprozessen. Wir wollen dieses Wissen zusammenführen und vergleichbar machen“, erklärt Prof. Dr. Jens Newig, Professor für Governance und Nachhaltigkeit an der Fakultät Nachhaltigkeit der Leuphana Universität Lüneburg.
Gemeinsam mit seinem internationalen Forschungsteam möchte er nahezu alle weltweit dokumentierten Beteiligungsprozesse der vergangenen Jahrzehnte auswerten. Ein Großteil der Studien ist nicht auf Englisch veröffentlicht, sondern in Sammelbänden, Berichten oder lokalen Publikationen und deshalb international bislang kaum sichtbar. „Ein rein menschliches Team könnte diese Auswertung nicht leisten“, sagt Newig.
Methodisch verbindet das Projekt statistische Analysen und qualitative Fallstudien mit innovativen KI-gestützten Verfahren. Große Sprachmodelle wie Claude oder Gemini unterstützen das Forschungsteam dabei, Tausende wissenschaftliche Texte in unterschiedlichen Sprachen auszuwerten. Damit betritt das Team wissenschaftliches Neuland. Alle Ergebnisse werden durch mehrere unabhängige Auswertungen überprüft und abgesichert.
In die Untersuchung fließen Beteiligungsprozesse aus etablierten Demokratien ebenso ein wie aus Ländern des Globalen Südens und autoritär regierten Staaten. „Wir wissen aus früheren Studien, dass echte Mitbestimmung häufig ein entscheidender Faktor für erfolgreiche Nachhaltigkeitsentscheidungen ist. Nun wollen wir die Gründe verstehen und klären, ob diese Zusammenhänge weltweit gelten“, sagt Jens Newig.
Eine besondere Herausforderung besteht darin, westlich geprägte Verzerrungen zu vermeiden. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht unbewusst westliche Maßstäbe an Beteiligungsprozesse in ganz anderen Kontexten anlegen“, betont Newig. Das Forschungsteam begegnet dieser Herausforderung mit einem theoretisch fundierten Auswertungsschema und bezieht bewusst Studien aus möglichst vielen Sprachen, Ländern und Publikationsformen ein.
Auch der Einsatz Künstlicher Intelligenz erfordert wissenschaftliche Sorgfalt. Sprachmodelle können Texte unterschiedlich interpretieren oder im Verlauf der Auswertung voneinander abweichen. Deshalb wird jeder Fall von mehreren Modellen analysiert und stichprobenartig mit der Einschätzung menschlicher Kodiererinnen und Kodierer verglichen. „Künstliche Intelligenz ist für uns ein Werkzeug, kein Orakel“, sagt Newig. „Am Ende zählt, dass die Ergebnisse wissenschaftlich belastbar sind.“
Langfristig soll aus dem Projekt eine frei zugängliche Wissensplattform entstehen. Verwaltungen, Ministerien und Organisationen können dort vergleichbare Fallstudien recherchieren und Erkenntnisse für die Gestaltung eigener Beteiligungsprozesse gewinnen.
Für die Umsetzung des ERC-Projekts baut Prof. Dr. Jens Newig an der Leuphana Universität Lüneburg ein internationales Forschungsteam auf. Geplant sind eine Postdoc-Stelle sowie vier Promotionsstellen. Der ERC Advanced Grant fördert das Vorhaben mit 2,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren.
ERC Advanced Grants
Die ERC Advanced Grants zählen zu den renommiertesten und höchstdotierten Forschungsförderungen Europas. Mit ihnen unterstützt der European Research Council (ERC) herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei, besonders ambitionierte Forschungsprojekte mit hohem wissenschaftlichem Innovationspotenzial umzusetzen. Die Förderung erfolgt im Rahmen des europäischen Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon Europe.
Erstellungsdatum:
15.07.2026
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